Eigene Strategie und Strategie-Erweiterung für Externe: Münchner Boutique will Ineffizienzen mit KI und ML nutzen

Published by Fundview

 

Diskretionäres Fondsmanagement wird auch in Zukunft bestehen bleiben, wenn ein Mehrwert wie Alpha erzielt wird, aber Quant-Modelle werden durch die Künstliche Intelligenz (KI) und das Machine Learning (ML) verändert. Das sei ein schleichender Prozess und die Symbiose zwischen Menschen und Maschinen werde immer wichtiger. Deswegen hat Stefan Tittel bereits im Jahr 2012 das Technologie-Unternehmen Quantumrock gegründet und 2016 das erste Produkt gestartet.

Tittel sagt im Gespräch mit Fundview: „Wir sind ein Technologie-Unternehmen, das seinen Wettbewerbsvorteil im Einsatz von Technologien wie Künstlicher Intelligenz und Machine Learning sieht. Wir erforschen, entwickeln und wenden maschinelles Lernen und KI an, um die Leistung zu steigern und das Risiko in hochvolatilen Umgebungen zu senken. Durch die Wissenschaft wollen wir eine bessere Vermögensverwaltung anbieten.“ Denn klar sei, dass der Finanzsektor vor massiven Veränderungen stehe; und Technologie dringend benötigt werde. Denn: Um als aktiver Manager Alpha zu erzielen, müssen Ineffizienzen ausfindig gemacht werden. Und dabei können Technologien wie KI und ML helfen und eine Outperformance erzielen.

„Die Ineffizienzen sind kurzlebiger geworden und verändern sich schneller. Deswegen passen auch wir unser Handelsmodell fortlaufend an. Unser proprietärer Anlageprozess ist systematisch und wissenschaftlich und generiert robuste Handelsstrategien für mehrere Anlageklassen, die innerhalb einer strengen Risiko- und Portfoliomanagementstruktur umgesetzt werden“, sagt Tittel und fügt hinzu: „Durch unseren Ansatz wollen wir nicht offensichtliche, nichtlineare, mehrdimensionale und unscharfe Muster finden, die für den menschlichen Verstand schwer zu erfassen sind. Die Verwendung von White-Boxing-Modellen für maschinelles Lernen hilft uns, das menschliche Verständnis von Algorithmen durch Transparenz und Verantwortlichkeit zu verbessern.“

Wir sind ein Technologie-Unternehmen, das seinen Wettbewerbsvorteil im Einsatz von Technologien wie Künstlicher Intelligenz und Machine Learning sieht. Wir erforschen, entwickeln und wenden maschinelles Lernen und KI an, um die Leistung zu steigern und das Risiko in hochvolatilen Umgebungen zu senken. Durch die Wissenschaft wollen wir eine bessere Vermögensverwaltung anbieten. Stefan Tittel, Quantumrock's CEO

Große Rückständigkeit im Technologie-Bereich

Viele Quant-Modelle würden dabei mehrere Monate oder auch ein Jahr benötigen, bis diese aufgebaut sind. Das stehe im Kontrast zu den Ineffizienzen, die sich teilweise schneller verändern als die Quant-Konzepte entstehen. Um ein Beispiel zu geben: Man kann davon ausgehen, dass die herkömmliche Entwicklung einer fundierten neuen Investmentstrategie zwölf bis 18 Monate dauert. Basierend auf der Quantumrock-Plattform könne dieser Prozess auf unter eine Woche verkürzt werden. Tittel erklärt: „Bei unserem Plattformansatz geht es also primär nicht um ein konkretes Handelssystem, sondern darum, einen Zeitvorteil gegenüber. anderen Marktteilnehmern beim Identifizieren neuer Alpha-Quellen zu erzielen und entsprechende Investmentprodukte vor anderen auf den Markt bringen zu können. Mittels Technologie wollen wir also flexibel bleiben und uns nicht auf einen einzigen Ansatz fokussieren, sondern stets unterschiedliche Ideen generieren können.“

Tittel hat bei Quantumrock eine Plattform aufgebaut, die automatisch Ineffizienzen identifiziert und Handelsmodelle entwickelt, die von Asset Managern oder Hedgefonds genutzt werden können. Dadurch lasse sich schneller auf sich verändernde Märkte reagieren als fortlaufend eigene Modelle zu bauen. Als Unternehmen hat Quantumrock zwei Säulen: Einerseits die eigene Strategie und andererseits werden für externe Asset Managern und Hedgefonds auch Strategie-Erweiterungen angeboten. Aktuell hat Quantumrock 16 Mitarbeiter. 2016 wurde das erste Produkt gestartet, das negativ zu Aktienmärkten korreliert ist sowie eine Sharpe Ratio von deutlich über eins, eine maximale Volatilität von zwölf Prozent und eine jährliche Performance von durchschnittlich 13 Prozent erzielt hat.

 

Bei unserem Plattformansatz geht es also primär nicht um ein konkretes Handelssystem, sondern darum, einen Zeitvorteil gegenüber. anderen Marktteilnehmern beim Identifizieren neuer Alpha-Quellen zu erzielen und entsprechende Investmentprodukte vor anderen auf den Markt bringen zu können. Mittels Technologie wollen wir also flexibel bleiben und uns nicht auf einen einzigen Ansatz fokussieren, sondern stets unterschiedliche Ideen generieren können. Stefan Tittel, Quantumrock's CEO

Wie das funktioniert? Tittel erklärt: „In der Regel verfolgen viele Fonds und Produkte eine Strategie. Wir haben aber mehrere Schichten und kombinieren mehrere Strategien. Insgesamt fahren wir sechs Strategie-Ansätze mit bis zu 100 Sub-Strategien, die sich regelmäßig verändern und angepasst werden. Dabei zurren wir einen Gesamt-Rahmen fest, wollen aber in diesem Rahmen flexibel bleiben. Unser Volatility Special Opportunities Program (VSOP) bietet einen effektiven Aktien-Tail-Hedge durch situatives Long-VIX-Engagement, das Abwärtsschutz bietet, ohne einen negativen Carry wie bei traditionellen Long-Volatilitätsansätzen üblich. In Marktphasen, die bullish bezüglich Aktien sind, generiert die Long-Aktienorientierung des VSOP tendenziell positive Renditen.“

Für Tittel stehen insofern die Zeichen seines Unternehmens auf Wachstum; das gilt auch generell für Unternehmen im KI- und ML-Bereich. Denn: „Teilweise sehen wir im traditionellen Asset Management noch eine große Rückständigkeit im Technologie-Bereich – und teilweise auch immer noch große Vorbehalte gegenüber der KI und ML. Vor allem bei großen Häusern stellen wir auch einen hohen Bedarf an modernen Technologie-Lösungen, gleichzeitig aber insgesamt noch sehr wenig Innovation fest. Aber gerade bei großen Häusern besteht eine hohe Kostenersparnis durch Automatisierung und den Einsatz von Technologien wie der KI und ML.“